Gerichtsgutachten

Ebenso wie im privatgutachterlichen Bereich wird der Bausachverständige des Handwerks auch als Gerichtsgutachter überwiegend in Verfahren zu Gewährleistungsrechten über angeblich mangelhaft erfüllte handwerkliche Leistungen nach dem Werkvertragsrecht §§ 631 – 651 des Bürgerlichen Gesetzbuches tätig.

In der Regel geht es um die Begutachtung der Frage, ob der behauptete Mangel an der werkvertraglich geschuldeten Handwerksleistung tatsächlich vorliegt, worauf er zurückzuführen ist, wie und mit welchem Kostenaufwand er behoben werden kann. Das Werkvertragsrecht ist ein Vertragstyp des BGB.

Streitigkeiten über im BGB geregelte Vertragstypen werden vor den Zivilgerichten (Amtsgericht, Landgericht, Oberlandesgericht, Bundesgerichtshof) ausgetragen. Die Verfahrensordnung, nach der diese Streitigkeiten vor den Gerichtsinstanzen abgewickelt werden, ist die Zivilprozessordnung (ZPO). Damit der Bausachverständige seiner Rolle als Gutachter in einem Zivilverfahren gerecht werden kann, muss er einige Grundzüge kennen, nach denen diese Verfahren ablaufen.

Der Bausachverständige direkt vom Gericht die Verfahrensakten, i. d. R. mit einem Begleitschreiben in Form eines Vordrucks. Bereits dieses Begleitschreiben sollte der Bausachverständige sehr sorgfältig lesen, denn es enthält für ihn wichtige Informationen über die Pflichten des Bausachverständigen zu einer möglichst reibungslosen und zügigen Zusammenarbeit mit dem Gericht. Die Begleitschreiben können von Bundesland zu Bundesland bzw. schon von Gerichtsbezirk zu Gerichtsbezirk in einzelnen Punkten unterschiedliche Inhalte haben.